Der Weg des Helden

Held sein, heißt den eigenen Mythos erschaffen. Du hörst auf Opfer dessen zu sein, was dir zugestoßen ist, und gewinnst stattdessen die Kraft, deine eigene mutige Geschichte zu schreiben, die von Stärke, Heilung und Schönheit handelt.

Die vier Praktiken:

Nicht-Urteilen

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Überwinde deine einschränkenden Glaubenssätze. Lasse deine Meinung
über Recht und Unrecht, Gut und Böse los.

Nicht-Urteilen ist eine Schlüsselpraxis im "Weg des Helden", der ersten der vier Einsichten. 

 

Um Nicht-Urteilen zu praktizieren, müssen wir unsere begrenzten Überzeugungen transzendieren, auch die, die unsere Vorstellungen von richtig und falsch betreffen. Wir verstehen unsere Welt, indem wir Situationen als richtig, falsch, gut oder schlecht beurteilen, und zwar nach Regeln, die von unserer Kultur definiert wurden und die wir als unseren Moralkodex kennen. 

 

Wenn wir uns im Nicht-Urteilen üben, weigern wir uns, uns automatisch der Meinung anderer anzuschließen. Indem wir das tun, beginnen wir, einen Sinn für Ethik zu entwickeln, der über die Sitten unserer Zeit hinausgeht. 

 

Wenn wir uns in Urteilslosigkeit üben, haben wir keine Krankheiten mehr - wir haben Möglichkeiten für Heilung und Wachstum.
 Wir haben nicht länger vergangene Traumata - wir haben Ereignisse, die unsere Kanten geschärft und geformt haben, und uns zu dem gemacht haben, wer wir heute sind. 

Wir lehnen die Fakten nicht ab - wir lehnen die negative Interpretation von ihnen ab und die traumatische Geschichte, die wir versucht sind, um sie herum zu weben. Wir erschaffen dann eine Geschichte der Stärke und des Mitgefühls, die auf diesen Fakten basiert.

Nicht-Leiden

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Schreibe keine Geschichten über deinen Schmerz. Unterscheide zwischen Leiden und Schmerz und gib das Leiden auf.


Wenn wir Nicht-Leiden praktizieren, schreiben wir keine Geschichten über unseren Schmerz; denn sobald wir eine Geschichte um die Fakten wickeln, entsteht das Leiden.


Buddha kam, um uns zu lehren, dass Leiden zwar ein universeller menschlicher Zustand ist, dieser aber dennoch nicht notwendig ist.

Das bedeutet nicht, dass Schmerz nicht existiert - er ist unvermeidlich, weil wir alle ein Nervensystem haben, das Schmerz und Verlust fühlt.


Wenn man den Unterschied zwischen Schmerz und Leiden verstehen will, kann man sich Folgendes vorstellen: wenn man daran denkt, eine kalte Dusche zu nehmen, merkt man schon vorher, wie der Körper in Erwartung zurückschreckt, obwohl man noch nicht in Kontakt mit dem kalten Wasser gekommen ist - das ist Leiden.

Wenn man dann tatsächlich eine kalte Dusche nimmt (und jeder kennt das unangenehme Gefühl) - das ist dann die Erfahrung von Schmerz.


So entstehen Elend und Angst: wenn man daran denkt, wie kalt das Wasser sein wird und wie sehr es wehtun wird, bevor es überhaupt auf die Haut getroffen ist.


Wenn wir uns darin üben, nicht zu leiden, nehmen wir die Tatsachen und die Lektionen unseres Lebens an, die es für uns zu lernen gilt.

Es ist unerlässlich, dass wir unsere Lektionen lernen, sonst kreieren wir immer wieder unser eigenes Elend.


Im Osten ist dies als Durchbrechen des Kreislaufs des Karmas und Eintreten in den Dharma bekannt. Die Laika nennen es das Praktizieren von "Glückseligkeit".

Nicht-Anhaften

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Lass deine Rollen, Identifikationen und Etiketten los an die du glaubst, und die du dir selbst zuschreibst. Finde den Bezugspunkt in deinem Inneren.


In den letzten beiden Praktiken ging es darum, die Geschichte umzuschreiben - eigentlich besteht das Ziel jedoch darin, ganz auf die Identifikation mit irgendwelchen Geschichten zu verzichten.


So beziehst du dich nur noch auf dich selbst. Schamanen nennen dies „self-referencing“.


In vielen spirituellen Traditionen muss man, um ein Mönch oder eine Nonne zu werden, die Kleider ablegen, den Kopf rasieren und eine einfache und billige Robe anziehen - damit nur ja niemand auf die Idee kommt, man könnte irgendwie von Bedeutung sein. Man ist gezwungen, den Bezugspunkt im Inneren, nicht im Äußeren zu finden. Niemand weiß, wer die Eltern waren, was man erreicht hat oder was die Kindheitsfreunde von einem denken.


Man lässt das Ego und die Persönlichkeit hinter sich und findet das Selbst.


Man lässt das Materielle und das Psychologische los - ja sogar das Spirituelle, falls du dich zu sehr daran geklammert hast.


Nicht-Anhaften heißt nicht nur, dass du dich aus deiner Rolle und von deinen Geschichten löst. Du musst auch jenen Teil von dir loslassen, der sich mit diesen Dramen identifiziert.

Wenn du dein Ego nicht mehr an der eng begrenzten Identität des Partners, Kindes, Schülers, Lehrers und so weiter festmachst, lässt du vorgefasste Meinungen bezüglich deiner Persönlichkeit los und machst dir keine Gedanken mehr, ob du bei anderen auf Wohlwollen oder aus Missbilligung stößt.


Du kannst auf äußere Bestätigung verzichten und wirst nicht mehr nervös oder traurig, wenn diese ausbleibt.


Du kannst einfach der Mensch sein, der du sein willst.

Schönheit

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Erkenne die Schönheit, auch wenn da Hässlichkeit ist. 

Bringe Schönheit in jeden Moment; Schönheit wird dich suchen und finden. 

 

Die Praxis der Schönheit ist die vierte und letzte Praxis im Weg des Helden. 

 

Schönheit zu praktizieren bedeutet, Schönheit wahrzunehmen, selbst wenn es scheinbar nur Hässlichkeit gibt. 

 

"Schönheit vor mir, Schönheit hinter mir, Schönheit um mich herum" - diese Worte stammen aus einem Dankgebet der Navajo, von einem Menschen, der nur das Schöne in der Welt sieht. 

 

Hilf dabei die Welt zu transformieren, indem du Schönheit und Heilung dorthin bringst, wo es scheinbar nur Hässlichkeit gibt. 

 

Wenn du Schönheit praktizierst, hast du Zeit im Leben, denn Schönheit führt dich in die Zeitlosigkeit. 

Schönheit erfordert Stille, Innehalten, Innehalten beim Anblick neuer Blüten an den Bäumen oder der Kaktusblüte, die nur eine Nacht lang blüht. 

Schönheit zu sehen ist kein passiver Akt - es ist eine aktive und ermächtigende Tat. 

 

Wenn du Schönheit praktizierst, bekommst du einen Geschmack von Unendlichkeit und berührst deine eigene Unsterblichkeit. Du wirst Zeit zum Lachen haben, Zeit zum Meditieren, Zeit, um anderen zu helfen. 

 

Dies ist unsere heilige Aufgabe: die Schöpfung mit Schönheit, in Schönheit und aus Schönheit heraus zu vollenden. 

 

Gib deine Schönheit an andere weiter, und Schönheit wird dich bis zum Ende deiner Tage umgeben.